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    CIP-Pool der Fakultät für Humanwissenschaften

    Die Antragsphase

    Nach fast zwei Jahren Vorarbeiten für die Anträge und technischen Installationen begann im Januar 1991 durch den Computerpool der Philosophischen Fakultät III im Gebäude Wittelsbacherplatz (Raum 050) das Computerzeitalter. Auf der Basis von Personalcomputern wurde ein Local Area Network (LAN) für den Einsatz in Forschung und Lehre aufgebaut, das von Anfang an mit den Großrechnern des Rechenzentrums der Universität Würzburg verbunden war.

    Diese technische Innovation für das Gebäude wie die darin beheimateten Institute, Lehrstühle und zentralen Einrichtungen entsprang einer bereits länger existierenden Idee. Am Lehrstuhl für Politische Wissenschaft suchte Prof. Dr. Bußhoff nach der Möglichkeit, politische Prozesse mittels Computersimulation theoretisch zu erfassen und analytisch transparent zu gestalten. Jedoch fehlte das notwendige Handwerkszeug für den wissenschaftlichen Einsatz sowie für die Vermittlung dieser Techniken in der Lehre: der Computer. Aufgrund der beengten Raumsituation am Wittelsbacherplatz bot sich als einzig geeigneter Raum für ein solches Vorhaben die alte Turnhalle im Erdgeschoss des Hauses an. Nach kurzen Verhandlungen mit dem Sportwissenschaftler Prof. Dr. Kapustin erklärte sich dieser bereit, einer Nutzungsänderung der Turnhalle zu einem Computer-Pool zuzustimmen.

    Im Auftrag des Dekans Prof. Dr. Weinacht konnten nun Prof. Dr. Bußhoff und Dr. Jörg Klawitter Gespräche mit dem Leiter des Rechenzentrums, Dipl.-Ing. Schliffer aufnehmen. Ziel der Fakultät war es, an dem Computer-Investitions-Programm (CIP) von Land und Bund zu partizipieren, welches seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die technische Ausstattung von Universitäten mit vernetzten Computersystemen bis heute ermöglicht. In enger Kooperation zwischen den genannten Personen der Fakultät und dem Leiter des Rechenzentrums wurde ein entsprechender Antrag im März 1989 erfolgreich auf den Weg gebracht. Befürwortend befördert durch die Ständige Kommission für Angelegenheiten des Rechenzentrums, die Ständige Kommission für Haushalts-, Raum- und Bauangelegenheiten sowie den Senat der Universität stimmten Land und Bund im Frühjahr 1990 dieser Anschaffungsmaßnahme zu.

    Der Wittelsbacherplatz auf einer Postkarte um 1900
    Abb 1: Der Wittelsbacherplatz um die Jahrhundertwende

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    Die Baumassnahme

    Parallel zur Beantragung der computertechnischen Ausstattung musste die bautechnische Maßnahme zur Umgestaltung der Turnhalle in die Wege geleitet werden. Anlässlich einer Hausbegehung zur Erhaltung der Bausubstanz des Gebäudes am 19. April 1989 durch Vertreter des bayerischen Kultusministeriums, des Kanzlers der Universität, des Leiters des Universitätsbauamts, des Prodekans der Philosophischen Fakultät III und weiteren Vertretern der Fakultät wurden unter anderem die Neuraumerschließung für das Dekanat sowie der Umbau der Turnhalle zu einem Computerraum beschlossen.

    Der CIP-Pool war früher eine Turnhalle. Auf dem Bild sind Kinder beim Klettern zu sehen
    Abb 2: Wo früher gehangelt wurde, wird heute "gesurft": Der CIP-Pool ca. 1935.

    16 Jahre später kann durchaus den Begrüßungsworten des damaligen Prodekans Prof. Dr. Katzenberger zugestimmt werden, der die Freude und Genugtuung der Fakultät über die Beendigung des Schwebezustands zwischen Altbausanierung und Neubaukonzeption am Hubland zum Ausdruck brachte. Insofern ist die Einrichtung des Computer-Pools auch mit einer Art Startschuss für die Erhaltung der Bausubstanz vergleichbar. Infolge des finanziellen Umfangs dieser Gesamtmaßnahme begleiten allerdings bis heute viele große und kleinere Bauarbeiten das Gebäude wie die darin Beheimateten, dessen Ende noch lange nicht abzusehen ist. Im Zuge der totalen baulichen Umgestaltung der Turnhalle wurde gegenüber der großen Eingangstüre ein überdimensionales Wandgemälde freigelegt, das eine Szene aus dem Alten Testament zeigt (Abb. 3).

    Das Wandbild zeigt eine Szene aus dem Alten Testament: Gott übergibt Moses die Tafeln mit den zehn Geboten
    Abb 3: Das religiöse Wandbild im CIP-Pool am Wittelsbacherplatz

    Dadurch geriet der Umbau für mehrere Wochen ins Stocken, weil diverse denkmalpflegerische Aspekte geklärt werden mussten. In jedem Fall dürfte dieser Computer-Pool einer der wenigen, wenn nicht der einzige in Deutschland sein, in dem die globale Bewegung elektronischer Information mit der Spiritualität menschlichen Geistes eng verwoben ist. Mit Blick auf eine weltumspannende Cybersociety, die den Planeten inzwischen zum elektronischen "global village" schrumpfen ließ, enthält dieses Gemälde indes noch eine tagtäglich aktuelle Interpretationsmöglichkeit: es erinnert in Zeiten einer globalen Informations- und Kommunikationskultur an die missbräuchlichen Seiten dieser Medien:

    Gott überreicht Moses die Gesetzestafeln als Grundregeln für menschliches Zusammenleben. Computernutzer akzeptieren weltweit die sogenannte Netiquette. Darunter wird eine lose Sammlung grundlegender, freiwilliger Verhaltensregeln in Netzwerken verstanden, deren Einhaltung von den Usern selbst überwacht wird, um eine allgemeine Ordnung aufrechtzuerhalten und Missbräuche weitgehend auszuschließen. Derartige Absichten verfolgte der Maler dieses Wandgemäldes sicherlich nicht, denn es entstand während der amerikanischen Besatzungszeit kurz nach dem 2. Weltkrieg; dies deutet darauf hin, dass diese Räumlichkeit als Notkapelle für amerikanische Religionsgemeinschaften diente. Nach dem Abzug der amerikanischen Armee aus dem Gebäude wurde der Raum wieder bis 1965 von dem Deutschen Gymnasium Würzburg, danach durch das Sportzentrum der Universität in seiner ursprünglichen Funktion als Turnhalle genutzt. Das Bild geriet in Vergessenheit, da es im Zuge einer Renovierungsmaßnahme übertüncht wurde.

    Raumbelegungsplan des CIP-Pools von 1990-1996
    Abb 4: Der Aufbau des CIP-Pools 1990-1996

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    Die Ausstattung

    Nach Abschluss der Umbauarbeiten erhielt der Raum eine Erstausstattung mit Mobiliar etc. (ohne Hard- und Software) im Wert von rund 70.000 DM. Selbstverständlich war er als sicherheitsrelevanter Bereich mit einem Zugangskontrollsystem ausgestattet, desgleichen mit einem Automaten für Kopierkarten, einer Projektionswand, einem lichtstarken Overheadprojektor und verschiebbaren Ständerwänden. Angesichts der Größe der Räumlichkeit erwiesen sich letztere bei der Arbeit als sehr hilfreich. Auf diese Weise konnten neben dem laufenden Seminarbetrieb die Studierenden relativ ungestört ihre Eigenarbeiten erledigen, was eine effiziente Ausnutzung der teueren Gerätschaften ermöglichte. Insgesamt erwies sich die Umgestaltung dieses großzügig dimensionierten Raumes als ein Glücksfall, denn trotz einer inzwischen hohen Anzahl von Rechnern kommt auch bei vielköpfigen Lehrveranstaltungen selten das unangenehme Gefühl der Enge auf.

    Kontakt

    CIP-Pool Humanwissenschaften
    Wittelsbacherplatz 1
    97074 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-83729

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    Wittelsbacherplatz 1